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Die Diskussion um Ilkay Gündogan und Mesut Özil

13.05.2018, Großbritannien, London. Foto: Uncredited/Pool Presdential Press Service/AP/dpa


Natürlich sehen wir hier ein relativ unglückliches Bild, welches viel Raum für Interpretationen lässt. Trotzdem war die "Hetze" auf die beiden Fußballer in den letzten Tagen wirklich extrem. Es hat mich teilweise amüsiert, den etablierten Blättern dabei zuzuschauen, wie sie allesamt die gleiche Meinung rausposaunten. In unserer heutigen Zeit kriegen wir nur noch vorgefertigte Schlagzeilen serviert. Und die Forderung nach dem Rausschmiss der beiden Fußballspieler aus der deutschen Nationalmannschaft war ein geniales Beispiel dafür. 


Das Bild lässt in keiner Weise auf die politische Meinung von Mesut und Ilkay schließen. Und selbst wenn es so wäre. Diese Jungs werden dafür bezahlt, dass sie Fußball spielen und nicht Politik betreiben. Trotzdem wurde ihnen in den letzten Tagen einfach eine politische Ausrichtung untergejubelt. Ein Statement möchten die meisten gar nicht hören, sondern eine Entschuldigung. Und zwar möglichst bald, wenn es nach den großen Medienhäusern geht.


Die Einladung des Präsidenten, aus dem Land ihrer Vorfahren, anzunehmen ist keine Schande. Es ist auch keine Schande mit Despoten zu sprechen. Das bloße Gespräch mit einem Menschen macht mich nicht zu dessen Unterstützer. Die Formulierung "für meinen Präsidenten", die als Widmung auf dem Trikot von Ilkay stand, welches er Erdogan überreicht hat, kann auch aus dem Affekt entstanden sein und muss nichts weiter bedeuten. Investitionen und Spenden in der Heimatstadt von Ilkay Gündogans Eltern werden sofort als Beweise herangeführt um allen nochmal klar zu machen, was hier die Absicht von Herrn Gündogan sein soll und um ihn als eindeutigen Unterstützer des AKP Regimes hinzustellen. Hätte er sich mit der Opposition aus der Türkei getroffen, wäre die Reaktion ganz anders ausgefallen. Sowas nennt man: mit zweierlei Maß messen. 


Dass Herr Erdogan die Demokratie mit Füßen tritt und den Rechtsstaat systematisch abbaut, sollte jedem zivilisiertem Menschen klar sein. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir alles ignorieren sollten, was mit Herrn Erdogan zutun hat. Das ist freilich der falsche Weg! Der Dialog ist immer der beste Weg um so einen Prozess, wie er in der Türkei momentan stattfindet, aufzuhalten oder wenigstens abzudämpfen. Niemand weiß wirklich worüber die beiden mit Herrn Erdogan gesprochen haben und das interessiert auch scheinbar niemanden. Klar ist, dass das türkische Volk Herrn Erdogan demokratisch, auch wenn der Wahlkampf nicht fair gewesen ist, gewählt hat und er der Präsident eines "europäischen" Staates ist, mit knapp 80 Millionen Einwohnern. Da kommt man mit Ignoranz nicht weit. Das sollte uns bei den Konflikten mit dem Iran und Nordkorea mittlerweile aufgefallen sein.


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